13. Juli 2017

Neighborhood Talk: Tone Johansen – Sunny’s Bar

Tone Johansen von Sunny's Bar

Den klassischen New York Saloon „Sunny’s Bar“ gibt es seit über hundert Jahren. Betrieben wird er von Tone Johansen. Benannt ist er nach Antonio „Sunny“ Balzano, der am 10. März 2016 im Alter von 81 Jahren leider verstarb.

Wie kamst du nach Red Hook?

Ich wurde als norwegische Künstlerin auserwählt, am internationalen Studio Programm des MoMA PS1, einer der größten und ältesten Institutionen für zeitgenössische Kunst in den USA, teilzunehmen. Weil ich kein Geld hatte, lebte ich in den schrofferen Teilen der Stadt. So kam ich also nach Red Hook. Der Taxifahrer versuchte mir auszureden, hierher zu ziehen und wollte mich nicht dorthin fahren. Doch ich war schon immer sehr eigenwillig und wusste, wie man überlebt. Red Hook war so fern der New Yorker „Cocktail-Party-Szene“, wie man es sich nur vorstellen kann. Hier gab es Prostitution und Drogendeals direkt vor meinem Fenster. Es war die menschliche Müllhalde der Stadt. Aber eben auch sehr günstig, der Himmel war weit, die Luft frisch und das Meer so nah, wie es nur ging. Genau richtig für mich.

Wie hat es dein Bluegrass in das Brooklyn von damals geschafft?

Ich wuchs auf der Insel Froya in Norwegen auf. Meine Eltern waren Teil der Pfingstbewegung. Das hieß: kein Fernsehen und keine weltliche Musik. Mein Vater brachte mir bei, wie man Gitarre spielt und singt. Bis heute halte ich mich für einen Pop-Ignoranten, einfach nur, weil ich die Musik und die Fernsehshows verpasst habe, die jene Zeit prägten. Ich habe die Insel mit 16 verlassen, distanzierte mich komplett von dieser Kultur und lebte als Punk. Als ich nach Brooklyn zog, traf ich in der Bar auf Kate und Lou Giampetruzzi, die den Bluegrass in Brooklyn am Leben hielten. Ich werde nie vergessen, wie ich die beiden das erste Mal hörte und zu ihnen sagte: „Ihr werdet es nicht glauben, aber ich kann Harmonien zu allen euren Songs singen.“ Hieraus entstand letztendlich der Bluegrass-Jam, den ich nun seit zehn Jahren in Sunny’s Bar führe.

Was wünscht du dir für Red Hook?

Ich möchte, dass Red Hook weiterhin ehrliche Menschen mit Charakter und Mut beherbergt. Ich halte nichts von Leuten, die sich verstellen. New York und Brooklyn müssen sich um das wahre kreative Herz der Stadt kümmern. Denn genau das lässt sie pulsieren. Die Kreativität kommt von den Menschen. Wir müssen diese Menschen halten und pflegen. Genau deshalb ist Red Hook mein Zuhause und ich bete, dass die Stadt nicht klinisch rein gemacht wird. Jeder weiß, dass es der angebrannte Topfboden ist, der der Soße ihren Geschmack verleiht. Jeder, der diese Einstellung teilt, ist mein Freund und soll schnell zu uns kommen. Wir warten mit gutem Bier und ehrlicher Musik.

Hier geht es direkt zu Sunny’s Bar: www.sunnysredhook.com

Dieses und weitere Interviews mit Brooklynites gibt es im ersten deutschsprachigen Reiseführer für Brooklyn, dem Brooklyn Neighborhood Guide

 

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